Blogbeitrag

Zum Jahreswechsel: Ein Rückblick auf 2019 und Motivation für 2020

Die Zeit rennt, das höre ich in den letzten Tagen von allen Menschen um mich herum. Nun geht ein Jahr wieder zu Ende. Der ganze Dezember war voller Hektik, Weihnachten, Familie, viel Essen, Weihnachtsmärkte, Geschenke, Besuche, aber auch Gemütlichkeit und morgen ist schon Silvester. Grund für mich auf dieses für mich emotionale, erfolgreiche, stressige, aber auch sehr bewegende Jahr zurückzuschauen. Pünktlich zum Frauenmärz ist mein Buch „Das geraubte Glück“ erschienen, ein Sachbuch zum Thema Zwangsverheiratungen. Aber auch zum Thema Kinderehen und sogenannte Ehrenmorde, eigentlich ein Buch über Gewalt gegen Frauen. Obwohl ich die Statistiken über Gewaltdelikte gegen Frauen kenne, obwohl ich weiß, dass die größte Gefahr für das Leben von Frauen weltweit während einer Trennungssituation ausgeht, bin ich immer wieder über die Zahlen erschüttert. Jede dritte Frau in der EU hat seit ihrem 15. Lebensjahr Gewalt erfahren. Weltweit werden jährlich über 50.000 Frauen durch ihren (Ex-)Partner oder die Familie getötet. In Deutschland waren es 2018 insgesamt 122 Fälle. Laut UNICEF gab es 2014 weltweit mehr als 700 Ehen mit Minderjährigen unter 18 Jahren, ein Drittel sogar unter 15 Jahren. Die meisten „Kinderehen“ gibt es in Indien. Eine traurige Bilanz.

Büchereck Schnelsen in Hamburg

Diese Zahlen und mehr habe ich während meiner Lesungen in diesem Jahr präsentiert. Ich war von Februar bis November 2019 bundesweit auf mehr als 40 Veranstaltungen. Als Referentin habe ich Hintergründe und Zahlen zu Gewalt gegen Frauen präsentiert, versucht das bittere Phänomen Zwangsverheiratung zu erläutern . Als Autorin habe ich aus meinem Buch „Das geraubte Glück“ gelesen. Als Frau habe ich dargestellt, was mich motiviert und mir die Kraft gibt, mich mit diesen schwierigen, traurigen und traumatisierenden Themen, die weltweit Millionen von Frauen das Leben schwer machen, zu beschäftigen. Es war für mich trotz allem ein sehr schönes Jahr, da ich sehr, sehr viele unterschiedliche Menschen erreicht habe, Frauen und Männer, Deutsche mit und ohne Migrationsgeschichte, Zugewanderte aus unteschiedlichsten Ländern, Geflüchtete, Studierende, Arbeitsmigranten, Menschen im Norden, Süden, Osten und Westen Deutschlands mit unterschiedlichen Bildungsbiografien und verschiedensten Lebensstilen. Wir haben viel und lange diskutiert, ich habe viele Fragen beantwortet, aber auch Fragen gestellt. Ich war in Bildungseinrichtungen, in Projekten, an Schulen, in Migrantenvereinen, in kleinen Frauengruppen, aber auch auf großen, öffentlichen Veranstaltungen. All diese Einladungen ehren und erfreuen mich, zeigen mir aber auch, wie wichtig diese Themen sind und dass wir Probleme und Missstände in unserer Gesellschaft nur gemeinsam beseitigen können. Alles, was um uns herum passiert, geht uns alle an. Wir tragen alle Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder, auch wenn es nicht unsere leiblichen und eigenen Kinder sind. Sie sind unsere Zukunft und sie haben das Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben. Genau für diese Freiheits- und Menschenrechte, für die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen möchte ich mich auch in 2020 einsetzen. Ich möchte nicht belehren, sondern aufklären, nicht traurig machen, sondern ermutigen und vor allem deutlich machen, dass wir alle gemeinsam sehr viel ändern können. Wir müssen mit offenen Augen hinschauen und mit klarem Verstand handeln.

Veranstaltung in Ingolstadt

Ganz besonders freue ich mich, dass mein Buch neben dem Buchhandel, dem Herder Verlag, dem TERRE DES FEMMES-Shop nun auch über die Bundeszentrale für politische Bildung zu erwerben ist. Politik lebt von unserem Einsatz, Engagement und unserer Aktivität. Wir dürfen nicht zulassen, dass bereits erworbene Rechte und Freiheiten, unsere Demokratie und unsere offene, freie Gesellschaft angegriffen werden. Gemeinsam müssen wir unsere Werte und individuellen Freiheiten verteidigen, und zwar gegen jegliche Gefahr von wem diese auch immer ausgehen mag. Wir müssen die Missstände „Kinderehe“, „Zwangsverheiratung“ und „Femizid“ sachlich benennen und nach praxisorientierten Lösungen suchen. Ich freue mich darauf, 2020 weiter für die Sache der Frauen aktiv zu sein und bin schon jetzt auf den Austausch und Dialog mit allen Menschen, denen es auch wichtig ist, dass Frauen und Männer sich auf Augenhöhe begegnen können, gespannt.

„Das geraubte Glück“ bei der Bundeszentrale für politische Bildung #bpb

In diesem Sinne:

Kommen Sie alle gut ins neue Jahrzehnt. Es gibt noch viel zu tun!

Frauenrechte sind Menschenrechte!

Veranstaltungshinweise im Januar: DAS GERAUBTE GLÜCK

16.01.2020 um 18 Uhr, Berliner Str. 52 c, 16321 Bernau

„Wertedialog: Deine Werte, meine Werte, unsere Werte“ Iranische Gemeinde in Deutschland e.V., Migrations- und Integrationsrat Brandenburg, Jüdische Gemeinde zu Barnim

21.01.2020 um 18 Uhr, Laurentiusstraße 4, 51465 Bergisch-Gladbach

Integrationsbeauftragte Kreisdekanat Rheinisch-Bergischer Kreis

30.01.2020 um 20 Uhr, KOMM DU, Buxtehuder Str. 13, 21073 Hamburg
Lesung und Diskussion im Kulturcafé

„Das geraubte Glück“ von Rukiye Cankiran ist im HERDER Verlag erschienen